Ein Koffer voller Erinnerungen, vergilbte Akten, handgeschriebene Rezepte und Geschichten, die nicht vergessen werden dürfen
Was kann ein alter Koffer erzählen? Welche Geschichten verbergen sich hinter vergilbten Akten, handgeschriebenen Rezepten oder den Stationen eines Lebens auf einer Landkarte?
Mit diesen Fragen haben wir uns im Projektkurs Erinnerungskultur beschäftigt. Über mehrere Monate hinweg haben wir recherchiert, gelesen, diskutiert und künstlerisch gearbeitet. Entstanden ist eine Ausstellung, die sich mit Menschen und Ereignissen beschäftigt, deren Geschichten nicht in Vergessenheit geraten dürfen.
Ein Schwerpunkt unserer Arbeit ist die Lebensgeschichte von Paul Brune. Als Kind wurde er Opfer der nationalsozialistischen Psychiatrie- und Fürsorgepolitik. Er erlebte Ausgrenzung, Gewalt und Unrecht und musste viele Jahre seines Lebens gegen Vorurteile und gesellschaftliche Stigmatisierung kämpfen. Seine Geschichte hat uns bewegt und dazu angeregt, uns mit den Folgen von Ausgrenzung und der Bedeutung von Menschenwürde auseinanderzusetzen.
Die Ausstellung zeigt unterschiedliche künstlerische Zugänge zu seinem Leben. Eine Landkarte führt durch die wichtigsten Stationen seines Lebenswegs. Künstlerbücher verbinden historische Fakten mit Zeichnungen, Gedichten und persönlichen Gedanken. Ein Koffer voller Dokumente, Erinnerungsstücke und selbst gestalteter Akten macht die Erfahrungen seiner Kindheit und Jugend greifbar. Weitere Arbeiten beschäftigen sich mit der Geschichte der Heimerziehung und zeigen, dass Ausgrenzung und Gewalt in Institutionen eine lange Geschichte haben.
Darüber hinaus widmen sich einige Projekte den Folgen von Kolonialismus und Rassismus. Ausgangspunkt ist dabei auch die Auseinandersetzung mit Wilhelm Mattenklodt und seinen Schilderungen kolonialer Lebenswelten. Seine Texte geben Einblick in Denkweisen ihrer Zeit und machen deutlich, wie selbstverständlich rassistische Vorstellungen und die vermeintliche Überlegenheit der weißen Bevölkerung dargestellt wurden. Die Schülerinnen und Schüler setzen sich kritisch mit diesen Sichtweisen auseinander und fragen danach, welche Auswirkungen solche Vorstellungen bis heute haben.
So entstehen Verbindungen zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Themen wie Diskriminierung, Ausgrenzung, Rassismus und die Frage nach dem Wert jedes menschlichen Lebens sind auch heute noch aktuell. Die Ausstellung möchte deshalb nicht nur informieren, sondern zum Nachdenken anregen: Wie gehen wir mit Menschen um, die anders sind? Welche Verantwortung tragen wir für unsere Geschichte? Und wie können wir dazu beitragen, dass sich Unrecht nicht wiederholt?
Die entstandenen Arbeiten zeigen, dass Erinnerungskultur mehr ist als das Bewahren von historischen Fakten. Sie bedeutet, hinzusehen, Fragen zu stellen und den Menschen hinter den Geschichten eine Stimme zu geben.
Wir laden Sie herzlich ein, unsere Ausstellung zu besuchen und mit uns ins Gespräch zu kommen.
Ausstellungseröffnung
Freitag, 19. Juni 2026, 17:00 Uhr
Kunstverein Lippstadt
Am Bernhardbrunnen 1
59555 Lippstadt
Zur Eröffnung sind alle Besucherinnen und Besucher herzlich zu einem kostenfreien Umtrunk eingeladen.
Auch an den folgenden Tagen kann die Ausstellung besucht werden. Schülerinnen und Schüler des Projektkurses werden die Ausstellung persönlich betreuen und für Fragen sowie Gespräche zur Verfügung stehen:
Samstag, 20. Juni 2026, 11:00–13:00 Uhr
Sonntag, 21. Juni 2026, 11:00–13:00 Uhr
Der Eintritt zur Ausstellung ist an allen Tagen frei.
Wir freuen uns auf Ihren Besuch und auf den gemeinsamen Austausch über Erinnerung, Geschichte und die Bedeutung von Menschenwürde in Vergangenheit und Gegenwart.
